Wenn sich glänzende Messing- und Chromoberflächen im Licht spiegeln, zeigt sich die sorgfältige Handschrift der Kruse-
Oberflächenveredelung oft im Detail. Das Unternehmen hat sich auf galvanische Beschichtungen spezialisiert – ein traditionelles Handwerk, das höchste Präzision erfordert. Ob Nickel, Chrom oder Gold: In Langenfeld entstehen Oberflächen, die sowohl technisch schützen als auch ästhetisch beeindrucken.
Vom Familienbetrieb zum Nischenplayer
1978 von A.Kruse geründet, kaufte
Norbert Kruse das Unternehmen 1983 und ist seitdem am Standort Langenfeld ansässig. Die A.Kruse GmbH hat sich mit rund 1.000 Quadratmetern Produktionsfläche zu einem der wenigen Spezialisten in Deutschland für anspruchsvolle Oberflächenveredelung entwickelt. Heute arbeiten 13 Beschäftigte für das Unternehmen – viele davon seit Jahrzehnten. Früher produzierte Kruse vor allem für die Automobilindustrie. Anfang der 1990er Jahre brachte der wachsende Kostendruck einen Wandel: Das Unternehmen richtete sich neu aus und konzentriert sich heute auf exklusive Projekte. Besonders im Innenausbau von Yachten ab 50 Metern Länge zeigt sich der Manufaktur-Charakter der Arbeit. Jedes Bauteil wird sorgfältig veredelt, jede Oberfläche präzise bearbeitet. Deutsche und europäische Werften zählen zu den Kunden, die höchste Ansprüche an Material, Finish und Detailtreue stellen. Hier verbindet Kruse traditionelles Handwerk mit modernem Design.
Fachwissen und Prozesse
Die galvanische Oberflächenbeschichtung folgt festen physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Kruse nutzt Verfahren wie Glanznickel-, Chrom- und Edelmetallbeschichtungen, um perfekte Ergebnisse zu erzielen. Gleichzeitig ist aber für hochwertige Endprodukte eine exakte Vorbehandlung unverzichtbar. Daher arbeitet Kruse mit einem kleinen Netzwerk aus qualifizierten Metallbauern zusammen. „Wir brauchen Zulieferer, die genauso präzise arbeiten wie wir“, betont Norbert Kruse.
Besonders das Finishing entscheidet über den Look der Oberfläche. Ein exzellentes Oberflächenfinish ist das Aushängeschild jeder hochwertigen Metallveredelung. Schliff und Politur sorgen dafür, dass selbst kleinste Unebenheiten verschwinden und eine makellose, spiegelnde Oberfläche entsteht – ein entscheidender Faktor im Premium-Yachtbau oder exklusiven Interieur. Glasperlenstrahlen verleiht den Bauteilen eine samtige Haptik und ein gleichmäßiges, elegantes Matt-Finish, das nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern auch Korrosionsschutz bietet. Dieses Zusammenspiel aus Präzision, Erfahrung und Handwerkskunst ist es, das den Manufaktur-Charakter des Unternehmens ausmacht.
Nachfolge mit Weitblick
Nach über 45 Jahren im Unternehmen ist der Führungswechsel für 2026 mit Georgios Leontiadis geplant. Der gebürtige Grieche ist kein Unbekannter: Er begann bei Kruse als Auszubildender, reiste später um die Welt und kehrte zurück, um seinen Meister als Oberflächenbeschichter Fachrichtung Galvanotechnik zu machen. Kurz darauf hängte er noch den Handwerksbetriebswirt dran, auf Anraten von Kruse, denn „ich weiß, wie wichtig ein solides kaufmännisches Wissen in Kombination mit handwerklichen Fachkenntnissen ist“, betont er. Norbert Kruse bleibt für die ersten Jahre beratend im Unternehmen tätig und unterstützt mit seiner langjährigen Expertise und seinen Kenntnissen der speziellen Kundenbedürfnisse. „Ein sanfter Übergang ist besser als ein harter Bruch“, erklärt er.
Das Thema Umwelt ist dem Firmenchef schon immer ein Anliegen. Daher ist das Unternehmen Mitglied im Verband VECCO e.V., einem Zusammenschluss von Unternehmen, die höchste Standards im Umgang mit Chrom VI und seinen Verbindungen sicherstellen. Ziel ist es, die Prozesse nach dem Stand der Technik und unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften so zu gestalten, dass weder Mitarbeitende noch Umwelt geschädigt werden. Kruse setzt dabei auf kontinuierliche Prozess- und Materialoptimierungen. „Wir investieren nicht nur in Technik, sondern auch in Wissen und Umweltverträglichkeit. So motivieren wir unser Team und sichern nachhaltige Lösungen“, betont Norbert Kruse.
Investitionen sichern Zukunft
Stillstand gibt es nicht. Erst kürzlich hat Kruse umfassende Brandschutzmaßnahmen umsetzen lassen. Diese Investitionen sichern nicht nur den Betrieb, sondern auch die Einhaltung strengster Sicherheitsstandards. Parallel denkt Leontiadis über digitale Prozesse nach – von optimierten Abläufen bis hin zu einem modernen Recruiting für neue Fachkräfte.
In Richtung Zukunft zeigte kürzlich auch ein ungewöhnliches Projekt. Kruse fertigte für den Esports World Cup 2025 in Saudi-Arabien alle Preise. „Das war ein spannender Auftrag und hat gezeigt, wie vielfältig unser Handwerk sein kann“, sagt Leontiadis. Um diese Vielfalt zu zeigen, plant er, den Beruf stärker nach außen zu tragen, besonders in Richtung junger Talente: „Wer sich für Chemie und Handwerk interessiert, findet bei uns eine spannende Mischung. Wir wollen junge Menschen für den Beruf begeistern. Sie sollen neue Ideen und Perspektiven in unser Unternehmen bringen“, formuliert Leontiadis seine Wünsche für die Zukunft. „Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital. Ihr Wissen ist unbezahlbar und dies weiterzugeben eines unserer wichtigsten Anliegen in den nächsten Jahren“, ergänzt Norbert Kruse. Der Generationswechsel ist gut durchdacht und beide sehen ihn als wichtigen und richtigen Schritt für einen sicheren Arbeitsplatz und langfristigen wirtschaftlichen Erfolg. „Unser Ziel sind Stabilität und frischer Wind“, sagt Leontiadis. Und Norbert Kruse? „Ich habe hier mein erstes Taschengeld verdient. Jetzt freue ich mich, das Unternehmen bald in guten Händen zu wissen.“