Nachhaltigkeit – nicht schon wieder! Man hört das Wort und spürt förmlich, wie manche Augen zu rollen beginnen. Klimakleber, Verbrenner-Aus, Brandbriefe an die EU, Lobbyarbeit gegen Regulatorik, Omnibus 1 bis x, ein Paktieren mit rechten Kräften für vermeintlichen Bürokratieabbau in Brüssel. Währenddessen erhitzt sich unser Planet schneller, als die Wissenschaft es je kalkuliert hat. Das ist nicht Ideologie. Das ist simple Physik.
Und trotzdem stellen wir uns diese unbequeme Frage: Warum interessiert uns das gerade so wenig? Warum beschäftigen wir uns in der Aufmerksamkeitsökonomie lieber mit Social-Media-Feeds, Longevity-Trends oder empörungsstarken Schlagzeilen? Vielleicht, weil es so einfach ist. Weil es näher liegt. Weil es weniger schmerzt.
Was Unternehmer heute wirklich beschäftigt
Wenn man mit Unternehmerinnen und Unternehmern im Ruhrgebiet spricht, hört man selten das Wort Nachhaltigkeit. Man hört:
• mangelnder Auftragseingang,
• fehlende Fachkräfte,
• Bürokratie ohne Ende.
Das sind reale Sorgen. Handfeste Probleme. Existenzielle Herausforderungen. Und doch passiert etwas Spannendes: Wenn Umsätze zurückgehen, machen Unternehmer nicht den Laden dicht – sie entwickeln neue Ideen für morgen. Nicht aus romantischer Innovationslust, sondern weil sie müssen. Diese Innovationskraft ist kein Bonus – sie ist Überlebensstrategie. Das kommt Ihnen bekannt vor? Super! Denn das führt uns direkt zu einer unbequemen Wahrheit:
Viele Innovationen, die heute entwickelt werden, sind per Definition nachhaltig – weil sie Ressourcen sparen, Risiken reduzieren und Resilienz erhöhen.
Unternehmen setzen auf Lösungen, die
• weniger energieintensiv sind (weil günstiger),
• mit Materialien arbeiten, die regional beschaffbar sind (weil globale Lieferketten zunehmend unkalkulierbar werden),
• am besten noch recyclingfähig sind (weil Abfall teuer ist und Ressourcen knapp).
Ist das nicht genau das, was man nachhaltiges Wirtschaften nennt?
Auch wenn wir es nicht so nennen: Nachhaltigkeit ist längst Bestandteil kaufmännischer Vernunft.
Das unterschätzte Potenzial einer Region, die seit 150 Jahren Wandel kann
I couldn’t help, but wonder: Wie viele „grüne“ Lösungen entstehen eigentlich schon direkt hier vor unserer Haustür? Der Green Startup Monitor NRW 2024 zeigt: Jedes fünfte grüne Start-up sitzt in NRW. Damit liegt unser Bundesland vor Berlin und Bayern – und das nicht zufällig.
Wir im Ruhrgebiet können Transformation. Wir mussten sie immer können. Vom Bergbau zur Industrie, von der Industrie zur Dienstleistung, vom Stahl zur Software. Mein Opa war Bergmann, in meinem Freundeskreis haben viele im Rahmen des Strukturwandels eine Umschulung machen müssen – und arbeiten heute in Jobs, von denen sie bei Ausbildungsbeginn auf der Zeche noch nicht mal zu träumen glaubten. Jetzt folgt die nächste Stufe: die grüne Metropole Ruhr.
Die Potenziale in Energie, Logistik, Kreislaufwirtschaft, digitaler Infrastruktur, Industrie und Medien sind enorm. Wir haben das Know-how. Wir haben die Unternehmen. Wir haben die Menschen. Warum also kommt die Gleichung „Unternehmertum + Transformationserfahrung = nachhaltige Zukunft“ in unserer Region nicht stärker zum Tragen?
Vielleicht, weil wir zu lange gewohnt waren, Wandel als Reaktion zu begreifen – und nicht als Gestaltungsauftrag. Vielleicht, weil wir unterschätzen, wie viel Power in unseren mittelständischen Wertschöpfungsketten steckt. Vielleicht, weil wir zu selten laut sagen, was wir können.
Fehlt etwa die Kohle? Oder fehlt uns nur der Mut, sie richtig einzusetzen?
Natürlich kostet Transformation Geld. Neue Technologien, neue Kompetenzen, neue Prozesse – das ist kein Spaziergang. Aber die provokante Frage lautet: Sparen wir wirklich dort, wo es nichts bringt? Machen wir uns doch mal ehrlich: Wenn Gewinne einbrechen, wird zuerst an Weiterbildung gespart. An Fähigkeiten. An der eigenen Zukunftsfähigkeit.
Dabei bietet gerade NRW eine der stärksten Förderlandschaften Deutschlands:
• 60 bis 80 Prozent Förderung für Weiterbildungen im Bereich Nachhaltigkeit und Transformation
• Programme wie GreenDealNRW, TraFoAgenten oder hoffentlich bald wieder der „Bildungpass“
• Investitionen in kreislauffähige Geschäftsmodelle, die aus Abfall Wert schaffen
• Unterstützungen für betriebliche Energiewende, Digitalisierung und Dekarbonisierung
Viele Unternehmen sehen die Fördertöpfe nicht – obwohl sie genau die Mittel enthalten, die wir gerade brauchen. Und manchmal fehlt es nicht an Geld, sondern an Orientierung: Welche Maßnahme zuerst? Welche Daten brauche ich? Wie fange ich mit der CO2-Bilanz an? Wer hilft bei neuen ›
Berichtspflichten? Genau an dieser Stelle
entscheidet sich, ob ein Unternehmen bremst – oder beschleunigt.
Kreislaufwirtschaft ist kein Trend – sie ist Geschäftsmodell-Realität
Während manche Branchen noch diskutieren, haben andere längst verstanden, wie Zukunft funktioniert. Die Entsorgungswirtschaft zum Beispiel. Sie denkt seit Jahrzehnten in Kreisläufen, nicht in Abfällen. Was für den einen Müll ist, ist für den anderen Rohstoff. Nicht umsonst hat die Schwarz Gruppe das Entsorgungsunternehmen PreZero gegründet, um Kreisläufe aus Ihren Lidl und Kaufland Filialen bestmöglich zu schließen – und daraus ein Geschäftsmodell aufzubauen.
Warum sollte das nicht auch bei Ihnen funktionieren? Warum sollte die größte Ressource Ihres Unternehmens nicht darin liegen, was Sie heute noch wegwerfen?
Viele der aktuellen Förderprogramme setzen genau hier an:
• Innovationen, die aus Reststoffen hochwertige Produkte machen
• Geschäftsmodelle, die lineare Prozesse in profitable Kreisläufe verwandeln
• Wertschöpfung, die robust und regional wird
Die Kreislaufwirtschaft ist nicht Zukunftsmusik. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil – besonders für Regionen mit industrieller DNA.
Warum ich das schreibe? Weil wir gerade am Bahnsteig stehen. Der Zug mit der Aufschrift „Nachhaltige Zukunftsgestaltung für Deutschland“ rollt Richtung Abfahrt. Die Türen sind noch offen – aber nicht mehr lange. Wir können auf dem Bahnsteig stehen bleiben und uns beklagen, dass die Fahrt unbequem wird. Oder wir steigen ein, nehmen das Steuer in die Hand und entscheiden, wohin dieser Zug fährt. Der Blick in den Rückspiegel, sei es bei Technologie oder den guten alten Zeiten, war noch nie ein guter Navigator für die Zukunft. Das gilt für Gesellschaft, Unternehmen – und für ganze Regionen.
Die Rolle der Medien: Wir haben einen Auftrag – und eine Verantwortung
Wir als regionales Medienhaus haben eine Aufgabe: Wahrhaftig zu sagen, was ist. Und Ihnen die Informationen an die Hand zu geben, die Sie brauchen, um sich eine fundierte Meinung zu bilden. Das gilt für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – aber auch für Klima, Ökologie und Zukunftsfähigkeit. Denn wir wollen Qualitätsjournalismus auch kommenden Generationen ermöglichen.
Mit FUNKE for Future haben wir eine Community aufgebaut, die Unternehmerinnen und Unternehmer genau dort abholt, wo der Nachhaltigkeitsdschungel am dichtesten ist:
• Der Podcast „Voices. For Future.“ lässt Unternehmer, Wissenschaftler, Vordenker und Aktivisten zu Wort kommen und gibt Ihnen die Möglichkeit zu sagen, was ist.
• Die FUNKE for Future Community kuratiert Austausch zu ESG-Best-Practices – und auch zu Projekten, die mal gefloppt sind
• Die FUNKE for Future Academy vermittelt praxisnahe ESG-Kompetenz aus dem Maschinenraum – ohne Beraterkauderwelsch
• Das Projekt Mittelstand 360° bietet Ihnen Beratung und Orientierung, wenn es um die Etablierung von neuen Wertstoffkreisläufen geht.
Wir sprechen nicht nur über Nachhaltigkeit. Wir machen sie für die Region erlebbar.
Die Ironie unserer Zeit
Aber: Die Generationen, die heute am lautesten Veränderung fordern, sind oft selbst in einem System gefangen, das Konsum, Geschwindigkeit und Wachstum über alles stellt. Fridays for Future trifft auf Fast Fashion. Klimastreik trifft auf Click & Collect. Der Wunsch nach Entschleunigung trifft auf die Realität der 24/7-Ökonomie. Aber Transformation ist nie linear. Nie bequem. Nie frei von
Widersprüchen. Und trotzdem:
• Nachhaltiger Konsum wird Mainstream
• Neue Geschäftsmodelle entstehen
• Soziale Innovationen brechen durch
Wandel passiert selten, wenn wir bereit dafür sind. Er passiert, weil jemand anfängt. Und hier schließt sich der Kreis: Das Ruhrgebiet ist der beste Ort für diesen Wandel. Wir sind eine Region, die aus Kohle gelernt hat, aus Stahl gewachsen ist und aus Wandel Zukunft macht. Wir können genau jetzt beweisen, dass Transformation kein Risiko ist, sondern unsere größte Ressource.
Nachhaltigkeit – nicht schon wieder. Oder doch gerade jetzt!
Denn: „Zukunft macht man nicht später. Zukunft macht man jetzt.“ Wenn wir eines aus 150 Jahren Strukturwandel im Ruhrgebiet gelernt haben, dann das: Wandel ist kein Sturm, den man aussitzt – er ist eine Richtung, die man einschlägt. Nutzen Sie die Programme, die Förderungen, die Netzwerke. Nutzen Sie die Angebote von FUNKE for Future, die Inhalte, die Impulse, die Projekte. Nutzen Sie das Wissen, das schon da ist. Die Türen des Zukunftszugs sind noch offen. Steigen Sie ein. Für Ihr Unternehmen. Für Ihre Region. Für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Für eine Zukunft, die wir nicht erleiden – sondern gestalten. Ruhrgebiet. For Future!

